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'EMO - PORTRÄT EINER SZENE' Lesung mit MARTIN BÜSSER, dem Herausgeber des Buches (Ventil Verlag), der auch u.a. den Text beitrug: "Emo is fucking gay" - Woher kommt der Hass auf Emos? Subkulturen und Homophobie
Sonntag, 15.November 2009
Den sich so aufgeklärt-gegenkulturell gebenden Distinktionsbemühten mag der ästhetisch-materialistische Eklektizismus der Emo-Anhänger auf den ersten Blick nur allzu sehr befremden. Angriffsfläche findet hier jedoch nicht nur die Hardcore-Punk-Underground-Geschmacks-Polizei - welche in der unter Emo-Kids üblichen Adaption ihrer einst noch exklusiven Mode-Stereotype einen weiteren Beleg für den sukzessiven Niedergang glaubwürdiger Verweigerungshaltung glaubt erkennen zu können und der Emo-Szene postwendend jeglichen Anspruch von Eigenständigkeit abspricht - sondern auch jenes reaktionäre Kleinbürgertum, welches sich offenbar bis heute von androgynen Teenies provoziert bzw. verunsichert fühlt. „EMO: PORTRÄT EINER SZENE“ ist folglich mehr als nur exemplarischer Einblick in Wesen und Phänomenologie jener Subkultur. Es ist ein Buch über die beispielhafte Transformation von Musik zu Mode, Weltschmerz und Verweigerungshaltung. Und über das blinde Unverständnis, beidseitige Erklärungsnöte, Vorurteile und Feindseligkeiten, die ein solch explizit gelebter, subkultureller Lebensentwurf mit sich bringt. Denn wie kaum eine andere moderne Jugend-Bewegung sehen sich die Emo-Anhänger gegenwärtig derart extremen Formen offener Diskriminierung und Homophobie ausgesetzt. Neben Grundlegendem, wer ist überhaupt ein „Emo“?, welche Codes sind für Emos heute konstituierend, steht so im Mittelpunkt Martins Büssers Lesung u.a. die Frage nach der gesellschaftsverändernden Relevanz des für die Emo-Kultur so charakteristischen Spiels mit Geschlechterrollen und der Abkehr bzw. Auflösung von klischeehafter Männlichkeit in der Tradition eines David Bowie oder Roxy Music.
Kurz-Bio M.Büsser: Seit 1995 ist er Herausgeber der Testcard: einer „Buchreihe mit wechselnden Themenschwerpunkten, die sich etwas hintergründiger als Wochen- oder Monatsjournalismus mit Popkultur auseinandersetzt“. Zudem veröffentlichte er eine Reihe von Büchern zur Populärkultur (siehe Liste) und gab kontrovers diskutierte Lesungen in ganz Deutschland. Aktuell forscht er in den Themenschwerpunkten Experimentelle Musik, Musiksoziologie, zeitgenössische Kunst, Gender Studies und schreibt für das INTRO Magazin, konkret und die Schweizer Wochenzeitung. Ganz nebenbei ist er auch noch Texter und Sprecher bei der Post-Punk-Artschool-Band Familie Pechsaftha.
Büsser, Martin/ Engelmann, Jonas/ Rüdiger, Ingo (2009): Emo. Porträt
einer Szene. Ventil Verlag. Mainz.
Jungle World-Artikel:
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